STEPHANIE KLOSS
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WELTAUSSTELLUNG
with Heidi Specker

Over the past several years, both Kloss and Specker have taken photographs in the EUR (Esposizione Universale di Roma). The modern district in the south of Rome, built in a Fascist style, was planned in the late 1930s by Benito Mussolini as an arena for the 1942 World’s Fair in Rome. After World War Two broke out, however, the fair never took place. The district’s appearance is characterized by the reduced architecture of Razionalismo and by the use of building materials considered revolutionary at the time, such as reinforced concrete, steel, and glass. The style also bears neo-classical influences, with elements from ancient Roman architecture and Pittura metafisica?an Italian painting movement that formed around 1910, the main figure of which was Giorgio de Chirico.
The construction of worlds - whether megalomaniac, futuristic, utopian, intimate, or fragile - has occupied Kloss and Specker during their photographic excursions through a still unfinished history of modernism. Even though the exhibition only includes a single photograph that Kloss took in EUR, the “Weltausstellung” or World’s Fair constitutes the associative motif of the exhibition at SEPTEMBER.
Theo van Doesburg also stands for the pioneering spirit of the modernist avant-garde. In 1928, together with Hans Jean Arp and Sophie Taeuber-Arp, he created the interior design for the Aubette leisure center in Strasbourg, whose foyer Stephanie Kloss photographed in 2013. This gesamtkunstwerk dedicated to making life more beautiful epitomized van Doesburg’s call to put people in the painting, instead of in front of it.
Kloss turns this around: she places people before the architecture, as with painting. She confronts the viewer with crops or set pieces of buildings or rooms oddly lacking in dimension, while scale and proportion dissolve into reduced, geometric, colorful compositions. In WELTAUSTELLUNG, she brings together a variety of very different motifs ranging from modernist architecture to brutal cement structures like the Wotruba Church in Vienna, built in 1976, to buildings of today. Included are the Piazza d’Italia, built after a painting by de Chirico on the occasion of the World’s Fair in New Orleans, or the IBA 87 Complex in Berlin by Oswald M. Unger, which is currently being demolished. The model-like quality and sobriety of Kloss’s images make them seem almost surreal: the empty, weathered, eroded, or restored architecture becomes an abstract skeleton for modernist dreams, utopias, and ideals.

Beide, Kloss und Specker, haben in den letzten Jahren in EUR (Esposizione Universale di Roma) fotografiert. Das moderne, im faschistischen Stil erbaute Stadtviertel im Süden Roms wurde Ende der 1930erJahre geplant und war von Benito Mussolini ursprünglich als Areal für die Durchführung der Weltausstellung in Rom 1942 vorgesehen. Diese wurde allerdings durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges verhindert. Geprägt ist das Erscheinungsbild des Viertels durch die reduzierte Architektur des Razionalismo, die sich durch den Einsatz damals revolutionärer Baumaterialien wie Eisenbeton, Stahl und Glas auszeichnet. Zugleich verbindet sich dieser Baustil mit neoklassizistischen Einflüssen, die sowohl Elemente der antiken römischen Baukunst wie auch Elemente der Pittura metafisica aufweisen - eine italienische Strömung der Malerei, die sich etwa ab 1910 bildete und in Giorgio de Chirico ihren Hauptvertreter fand.
Die Konstruktion von Welten – seien diese größenwahnsinnig, futuristisch, utopisch, intim oder fragil - beschäftigt Kloss und Specker bei ihren fotografischen Exkursionen durch die immer noch nicht abgeschlossene Geschichte der Moderne. Auch wenn in der Ausstellung nur eine einzige Fotografie zu sehen ist, die Kloss in EUR aufnahm, bildet die „Weltausstellung“ das assoziative Motiv für die Ausstellung bei SEPTEMBER.
Auch Theo van Doesburg steht für den Aufbruchsgeist der modernistischen Avantgarde. Gemeinsam mit Hans Jean Arp und Sophie Taeuber-Arp schuf er 1928 das Dekor des Vergnügungskomplexes Aubette in Strassbourg, dessen Foyer Stephanie Kloss 2013 fotografierte. Dieses Gesamtkunstwerk im Dienste des Lebens und seiner Verschönerung steht stellvertretend für van Doesburgs Forderung, den Menschen in die Malerei zu stellen, anstatt davor.
Kloss dreht den Spieß um: sie stellt den Menschen vor die Architektur, wie vor Malerei. Sie konfrontiert den Betrachter mit merkwürdig dimensionslosen Ausschnitten oder Versatzstücken von Gebäuden oder Räumen, wobei sich Maßstäbe und Proportionen in reduzierten, geometrischen und farblichen Kompositionen auflösen. Für WELTAUSTELLUNG vereint sie dabei die unterschiedlichsten Motive: Kloss spannt den Bogen von modernistischer Architektur über brutalistische Betonbauten, wie der 1976 erbauten Wotruba-Kirche in Wien, bis hin zu Gebäuden der Jetztzeit. Dazu gehört die Piazza d’Italia, die nach einem Bild von de Chirico anlässlich der Weltausstellung in New Orleans realisiert wurde, oder der im Abriss befindliche, von Oswald M. Ungers entworfene IBA 87- Komplex in Berlin. In ihrer Modellhaftigkeit und Nüchternheit erscheinen Kloss‘ Bilder dabei fast surreal: Die menschenleere, verwitterte, abgenutzte oder konservierte Architektur wird zum abstrakten Skelett für modernistische Träume, Utopien und Ideale.

Oliver Koerner von Gustorf